Donnerstag, Dezember 24, 2009

Das habe ich geschenkt bekommen und schenk's jetzt weiter:

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:

Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freu‘n und zu lachen
Und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas daraus machen.

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
Nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
Sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht nur zum Vertreiben,
Ich wünsche, sie möge Dir übrig bleiben.

Als Zeit für das Staunen, Zeit für Vertrauen,
Anstatt nach der Zeit, der Uhr nur zu schauen.

Ich wünsche Dir Zeit nach den Sternen zu greifen
Und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.

Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selbst zu finden,
Jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Ich wünsche Dir Zeit, um Schuld zu vergeben,
Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben.

Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2010 !
Das wünsche ich der ganzen Blogrunde und allen andern Vernetzten!

Montag, Dezember 21, 2009

Zwei Wilmas

Die eine war eine liebe Nachbarin, die hier geboren und aufgewachsen ist. Grejazis und meine Kinder haben sich durch alle Gärten hindurch frei bewegen können und so habe ich manche schöne Sommerstunde plauschend auf nachbarlichen Bänken verbracht.

Auch bei Wilma saß ich früher öfter. Wilma hat so ein helles Wesen gehabt, wie ein freundlicher kleiner Stern. Ihr Enkelsohn wohnte an Wochenenden und in vielen Ferienwochen immer bei ihr . Obwohl deutlich älter, spielte er gern mit der krawallschen Rasselbande.

Handarbeiten waren Wilmas Ding, in weiser Voraussicht ließ ich mir von ihr zwei Paar Topflappen häkeln. Habe ich mich jemals richtig bedankt? Vor einigen Jahren feierte sie goldene Hochzeit mit ihrem Mann, der mir neben ihr immer ein Männlein zu sein schien.

Die Kinder wurden größer, wir sahen uns nicht mehr so oft. Sie war zwar aus meinen Augen, aber nie aus meinem Sinn.

Und jetzt ist sie tot. Für mich ist ein kleiner Stern erloschen.

Die andere Wilma freilich, die Mutter der Prinzessin, die lebt. Wieder, könnte ich beinahe sagen. Denn nachdem sie ihr Häuschen verkauft hat und in eine "altengerechte" Wohnung gezogen war, erlitt sie einen Schlaganfall.

Sie kam in ein Pflegeheim. Anfangs sah es nicht so gut aus. Inzwischen sitzt sie zwar im Rollstuhl, aber das ist schon ein Fortschritt, weg von der Bettlägerigkeit.

Gestern habe ich sie besucht. Sie kann wieder artikuliert sprechen. Und ich glaube auch nicht, dass sie verwirrt ist. Ihre Sätze scheinen nur deshalb keinen Sinn zu ergeben, weil sie manchmal zu den falschen Worten greift. "Schwägerin" und "Schwester" zum Beispiel, ich kann mir vorstellen, wie das durcheinandergeht in ihrem Kopf, obwohl sie genau weiß, wen sie meint.

Sie wusste meinen Namen nicht und ich sagte ihr dreimal, wie alt meine Kinder sind. Aber sie konnte sich erinnern, dass ich ein "großes Auto" habe.

Auf dem Weihnachtsmarkt nach einem Geschenk suchend, hatte mich ein dunkel leuchtender, hühnereigroßer Karneol angeschrien: "Wilma!"

Sie hat ihn gleich in ihre warmen kleinen Hände genommen.

Sonntag, Dezember 06, 2009

Eine andere Seite...


Am Samstag war ich in Neuss und habe diese Herren gesehen, gehört und persönlich kennengelernt. Um halb acht am Sonntagmorgen waren wir zu Hause, Grejazi und ich. Locker hätte ich mich noch bis zum Mittag weiter unterhalten können. Fühlte sich jedenfalls so an.
Die kommen aus Kulmbach. Womit ich der Liste "meiner" mehr oder weniger südlich von mir wohnenden Deutschländer nun um ein paar Oberfranken ergänzen kann. ;)))

Dienstag, Dezember 01, 2009

Vom Leib schreiben...

...werde ich mir nun diese Geschichte hier, nachdem ich sie lang' genug gedreht, gewendet und erzählt habe.

Als ich am vorigen Freitag in Wind und Wetter mit meiner Freundin den Gemeindebrief austrug, bekam ich auf dem Handy einen Anruf von der Schule. Die Sekretärin bat mich, M. abzuholen. Als ich ihn am Telefon hatte, erzählte er weinend, dass er von einem Klassenkameraden, Y., nach dem Sportunterricht in der Umkleide gewürgt worden ist. Zunächst mit der Hand am Hals gegen die Wand, dann im Schwitzkasten. Sehr schlimm war auch, dass alle anderen Jungen nur zusahen. Erst J., der als letzter in die Umkleide kam, griff sofort ein, befreite M. und ging mit ihm zur Sportlehrerin.

Ich habe dann mit M. auf dem Schoß im Sekretariat gesessen und wir haben beide geweint. Mir kommen jetzt noch die Tränen. Seine Klassenlehrerin, Frau A., kam dazu und versicherte mir, dass die Schule sofort in dem Sinne aktiv geworden ist, dass ein solcher Übergriff nicht geduldet wird, sprich, einen Tadel erteilt (der ein vollwertiges Rechtsmittel ist!) und Y.'s Eltern hinzuzieht.

Jedenfalls ließ ich mir im Sekretariat gleich die Unterlagen für eine Unfallanzeige mitgeben (ich habe M. später gesagt, dass das kein "UNFALL" war und Versicherungen bloß keine gescheiteren Formulare haben) und zu Hause legte ich M. erst mal auf die Couch. Er klagte über ein Druckgefühl am Kehlkopf und Bauchweh (wie auch nicht?!) und war einverstanden, zum Arzt zu fahren. Erst mal haben wir aber ein bisschen durchgeatmet, und ich habe ihm eindringlich erklärt, dass er, was immer er gesagt oder getan hat, niemals Schuld ist an diesem Angriff. Er hat mir versichert, er habe nur 'rumgealbert und gar nicht mal Y. gemeint damit. Er habe so getan, als hätte er seine eigene Hand nicht mehr unter Kontrolle und diese wolle ihn erwürgen und daraufhin sei Y. auf ihn losgegangen. Ich glaube ihm das genau so, wie er das erzählt hat.

Es ist noch am Freitag in der Klasse darüber gesprochen worden, aber M. hat auch gesagt, dass er seiner Lehrerin nicht erzählt hat, wie schlimm er fand, dass ihm niemand geholfen hat. Inzwischen weiß Frau A. das aber. Und ich habe M. erzählt, dass es ja vielleicht auch sein könnte, dass die anderen viel zu erschrocken waren, sozusagen vor Schreck erstarrt. Y. hat keine Erklärung geben können und sich nach M.'s Empfinden sehr widerwillig entschuldigt. Ich selbst habe Y. nicht gesprochen noch gesehen.

Zu Hause jedenfalls hatte ich einiges zu telefonieren, die Sprechstundenhilfe von unserem Hausarzt sagte mir, ich solle direkt ins Krankenhaus fahren. Meine gleich nebenan wohnende Schwägerin hatte frei und hat mir sehr geholfen. Nachdem also der Waffelteig einen Weg zu J. und dem Weihnachstmarkt fand (wo ich mit ihm hätte stehen und Waffeln für einen guten Zweck verkaufen sollen), mein Schwiegervater später seinen Enkel von dort abholte und B. von der Mutter einer Klassenkameradin vom Schulbus abgeholt werden konnte, hatte ich den Kopf frei ;)

Im Krankenhaus waren wir zuerst in der chirurgischen Ambulanz, dann bei einer sehr netten Kinderärztin, die ganz auf M. eingegangen ist. Sie hat seinen Kehlkopf mittels Ultraschall untersucht und wir haben sehr viel mit ihr über alles gesprochen. M. fing immer wieder zu weinen an. Aber als wir mit den Untersuchungen soweit fertig waren, hatten wir beide ordentlich Hunger und gingen erst mal in die Kantine des Krankenhauses. Da ging es ihm insgesamt schon ein bisschen besser.

Als ich dann schließlich mit allen Kindern wieder zu Hause war, war's auch schon Zeit, mit den selbstgebackenen Plätzchen zum Adventlesen aufzubrechen. M. wollte zu Hause bleiben und J. sich um ihn kümmern. Da Grejazi ohnehin wenig später nach Hause kam, war es für mich in Ordnung, die beiden allein zu lassen - auch wenn ich da jetzt beim Hinschreiben ein Störgefühl habe. Übers Wochenende haben Grejazi und ich auch immer wieder über den Vorfall gesprochen.

Abends hatte ich dann den Eindruck, dass es M. so gut ging, wie es nach einem solchen Erlebnis überhaupt gehen kann. Ich jedenfalls war so voller Adrenalin, dass ich dann doch noch bis spät zu einem geselligen Abend zu Freunden ging.

Am Samstag haben wir zusammen ein neues Fahrrad für M. gekauft, das war ohnehin für diesen Tag geplant. Sonntag hatten wir dann J.'s Geburtstagsfeier mit der Familie und M. war über Mittag auf einem Geburtstag eines Klassenkameraden, auf dem auch andere Jungen aus seiner Klasse eingeladen waren. Y. aber nicht. Ich glaube, dass die Jungen M. auch noch sehr aufgebaut haben, insofern traf sich das gut, dass sie vor dem Montag alle nochmal zusammen sprechen konnten.

Ich habe auch mit beiden Jungs über mögliche Rachegelüste gegenüber Y. gesprochen und beide waren da sehr verständig. In der Schule wird noch ein weiteres Gespräch stattfinden.

Die Geschichte ist mir sehr nahe gegangen und ich sehe, dass es Zeit gebraucht hat, sie zu verdauen. Wieviel mehr Zeit braucht M.?

Die vollkommene Krönung des Ganzen ist, dass M. gestern mit Tränen in den Augen aus der Schule kam, weil er beim Wichteln Y.'s Namen gezogen hat. Dass er diesen aber auf der Weihnachtsfeier der Klasse beschenkt, kommt überhaupt gar nicht in Frage. Da müssen nun die Lehrer 'ran.

Wie mich das freut ^^



Da

könnt'

ich

ja

glatt

auf Ideen kommen...