Dienstag, Mai 27, 2008

Auf schmalem Grat

Viele Wege führen von unserem Ort in den benachbarten, je nachdem, an welchem Ende desselben das angestrebte Ziel liegt.

Da wir "nebenan" viele Ziele haben, benutzen wir sie oft, diese Wege. Die Autobahn muss in jedem Fall unterquert werden.

Ein grüner Schleichweg, fernab der schnellen Straßen und außerdem auch noch kurz führt auf dem Damm entlang.

Dieser ist mal Teil einer über Land führenden Straßenbahntrasse gewesen und fast jedes Mal, wenn ich ihn benutze, staune ich über seine schmale Steilheit und finde mich wirklich "hoch oben".

So ganz stabil ist er wohl nicht mehr, der Grat. Der zum Weg verdichtete Schotter auf seinem Rücken mürbt arg am Rande, die alten Betonmasten, in regelmäßigen Abständen sinnberaubt am Rande stehend, neigen sich in alle möglichen und unmöglichen Richtungen; insgesamt wirkt die "Rückenlinie" hie und da taumelig.

Der "tunneligen" Anmutung zu widerstehen fällt mir schwer.




















Zudem lässt sich hier gut "von höherer Warte" schauen.

Freitag, Mai 09, 2008

Sinnlicher kleiner Abendausflug...

Manchmal hilft einfach nur Wasser. Alleine sein muss ich damit. Wobei ich da genügsam bin: ein von Menschen freier Radius über zehn bis fünfzehn Meter langt mir schon.

Dieses Wasser hier ist eine von den Kiesgruben, die es am sonst planen Niederrhein vermutlich ebenso häufig gibt wie die Bergehalden. Inzwischen sind die Bagger weg und haben ein Naherholungsgebiet zurück gelassen.

Nah ist es wirklich, das Gebiet - gemütliche 10 Radminuten. Trotzdem bin ich hier nur sehr selten.

Durch den grünen Tunnel auf sanftem Gefälle rollend, löste der erste Blick auf den abendlichen See meine Seele, sie glitt nach unten zu meinen Füßen heraus und floss mir voran dem Wasser zu.

Ich sah dem Himmel beim Verfärben zu. Haubentaucher waren da, neben den üblichen Stockenten. Fledermäuse habe ich auch endlich wieder getroffen.

Zu meiner großen Überraschung begegnete ich einer riesigen Grauganskolonie mit unzähligen Jungtieren. Es wird wohl nicht lange dauern, bis die Besucher des Freibades sich über die Hinterlassenschaften beschweren, vermutlich tun sie das bereits. Denn die Küken waren schon ziemlich groß und mit ihnen sind ihre Haufen gewachsen, das dürfte die Anzahl derselben verdreifacht haben.

Aber dieses Farbspiel! Mit der zunehmenden Dämmerung legte sich auch der Wind, der sowieso nur ganz leise das Wasser gestreichelt hatte.
Danach war die Seefläche wirklich spiegelglatt, nur in den Reflexionen der Bäume waren die zarten Kringelchen sichtbar, die von Futter suchenden Fischmäulern herrührten.

Einer der Haubentaucher fischte immer näher an meinen Füßen, bei jedem Auftauchen galt sein erster sichernder Blick mir.

Die Welt war woanders.

Dienstag, Mai 06, 2008

Entscheiden Sie - JETZT!

Das hübsche kleine Gesicht ist ganz verzerrt, die schönen braunen Augen schwimmen im Tränenmeer: "Mama! Das tut so weeeeeh!" schluchzt M., 8 Jahre alt, und blickt verzweifelt zu mir auf. Es schneidet in mein Herz!

Dennoch blicke ich zweifelnd auf seine Nase, die ihm scheinbar Pein bereitet, nachdem sie letzte Woche unter Vollnarkose gerichtet werden musste, weil einer von den "Großen" auf dem Schulhof gemeint hatte, es sei cool, einfach mal unprovoziert M.'s Kopf mit dem seines Freundes D. zusammen zu knallen.

Ist sie doch wieder schief, die Nase? Der HNO hatte gemeint, es sei zwar sehr unwahrscheinlich, aber doch nicht ganz auszuschließen, dass der Knorpel wieder in die verkehrte Position zurückspringt. Hm.

Der Eingriff liegt jetzt über eine Woche zurück und alles war prima, bis mich gestern M.'s Frage stutzig machte: "Was ist denn, wenn morgen meine Nase wieder wehtut?" Ich beschwichtigte ihn und verkniff mir in weiser Vorausschau den Satz: "Na, dann bleibst du eben zu Hause!"

Trotzdem fühle ich mich wie die letzte Rabenmutter, kalt und grausam, dass ich heute früh das weinende Kind im Kameltreiberton durch den Morgenparcours schiebe. Der gestern verkniffene Satz droht mir nun doch aus dem Mund zu schlüpfen.

Rückenstreicheln, aufbauende Worte, widerstrebend rüstet M. sich für den Tag, nicht ohne zu schluchzen und zu jammern, so er mich in Hör- und Sichtweite weiß.

Wer diese Kinderaugen je in Tränen schwimmen sah, weiß, wie ICH leide!

Als er begreift, dass ich stur bleiben werde, ruft er empört: "Mama! Ich brauch' den Blumentopf für die Schule, das habe ich dir gestern schon gesagt, du hast nicht zugehört!" Nun weiß ich ganz genau, dass er den Topf schon vor Wochen mit zur Schule genommen hat, angesichts der nahenden Muttertagsbastelei.

Wenn das Teil nun also nicht in seinem Fach in der Schule liegt, habe ICH das nicht zu verantworten und DAS KIND hat ein Problem mit seiner Lehrerin.

Ahaaa! ;))

Edit: Und NATÜRLICH stellte sich gestern mittag heraus, dass der Topf in der Schule war.

Montag, Mai 05, 2008

In unserm Garten wächst 'was...

Jetzt ist auch die Wiese im schattigeren Teil des Gartens so weit, dass sie gemäht werden muss. Durch regelmäßige Ballbespielung ist sie nicht überall gleich hoch, so hat's ein paar recht puschelige Stellen.

Letztens entdeckte ich an solch einem Plätzchen fleischigere, längliche Blätter, zu denen auch noch einige Knospen gehörten. Daraus wurden diese hübschen Blüten hier. Na ja. Als Lilienartige hab' ich sie gleich angesprochen, aber sooo einfach war's dann doch nicht.


Das lag daran, dass der "Doldige Milchstern", Ornithogalum umbellatum, zu den "LilienÄHNLICHEN" gehört und ein Hyazinthengewächs ist. Die Verwandschaften sind nicht nur bei Blumens manchmal etwas undurchsichtig, jedenfalls vom Habitus her... volkstümlich heißt er übrigens "Stern von Betlehem" und ist aus dem mediterranen Raum gekommen.

Beim 'rumstöbern stieß ich auch noch auf die Eigenschaften, die dieser Pflanze als Bachblütenextrakt zugeschrieben werden. Empfohlen bei u.a. Kummer, Trostbedürftigkeit und Albträumen. Vor dem Mähen werde ich die Zwiebelchen in jedem Falle ausgraben.

Das letzte wilde Fußballspiel hat ihn dann, wupps, umgelegt, den Milchstern. Nu' leistet er den auf dem Wochenmarkt geschenkt bekommenen Tulpen in der Vase Gesellschaft und freut mein Auge. Na ja, einen hat mir meine Tochter irgendwo am Wegrand gepflückt und mitgebracht.

Da fällt mir mein letzter Albtraum wieder ein, vor zwei Nächten: Der "Neubau" der Tankstelle meiner Eltern (ist 8(?) Jahre alt) wurde abgerissen und die alte Tankstelle naturgetreu wieder aufgebaut, sogar alle Gerüche waren wieder da. Ich habe so verzweifelt geweint, dass ich davon aufwachte. Fast so schlimm wie der Albtraum vor Monaten (im letzten Jahr irgendwann), in dem Grejazi unseren in voller Blüte stehenden Kirschbaum gefällt hatte - da bin ich allerdings von meinem eigenen lauten Schreien wach geworden.

Wie auf dem oberen Foto sehr schön zu sehen, macht mein Handy auch scharfe Bilder von kleinen Sachen. Da kann ich mir ja vielleicht doch endlich meine Digitalkamera vom Herzen reißen und sie zur Reparatur-Kur nach Düsseldorf schicken...

Und außerdem!!! hat irgendjemand schon Schwalben gesehen??? Ich noch nicht... und müssten nicht langsam mal die Fledermäuse wieder auftauchen?

Donnerstag, Mai 01, 2008

Eine alte Lampe

Da liegt sie im Wohnzimmer wie ein alter Krake; schätzungsweise über fünfzig Jahre lang hat sie den Raum beherrscht. Damals war zwischen diesem und dem heutigen Esszimmer noch eine Wand und eine alte verwitwete Tante, Schwester vom Opa Grejazis mütterlicherseits hat das Beleuchtungmöbel ins Haus gebracht, das Zimmer war ihres. Doch, ich finde, das schwere, dunkle Holz macht ein richtiges Möbel aus der Leuchte.

Der kleine runde Tisch ist übrigens ausziehbar, auch "schon immer" da und nützlich für alles Mögliche - was ihn ganz sicher schon oft vor dem Sperrmüll gerettet hat!

Schade eigentlich, dass ich grade kein Bild zur Hand habe, auf dem die Lampe noch vollständig an der Decke hängt. Frisch hier eingezogen, hatte ich vor knapp zehn Jahren zuviel Respekt, das Trum 'rauszuschmeißen.

Im letzten Jahr haben wir dann ein großes Bild zwischen die beiden Fenster zur Straße gehängt und spätestens da hing die Lampe im Weg: vom Esstisch aus zerstückelte sie die Ansicht und eigentlich wollten wir sie ja schon länger "wegtun".

Grejazi hat sie dann im Oktober abgenommen - nachdem das Bild seit Februar hing - und es verblüffte mich ein bisschen, dass das, was ich für einen textilen Schlauch zwecks Kabelkaschierung gehalten hatte, ein veritables Rohr mit Öse zum Aufhängen ist. Lediglich sorgfältig mit seidig schimmernder Kordel umwickelt.

Mutmaßlich Handarbeit. Ob das Aufgabe des Lehrlings war? Und dann: massives Holz! Wo gibt's das heute noch? Sorgfältig entstaubt und eingetütet, die gläsernen Lichtschalen stoßgedämpft im Karton.

So ist sie nun eingemottet und harrt der Dinge, die da noch kommen werden für sie. Ich duck' mich derweil noch immer unwillkürlich da, wo sie hing - obwohl das neue Licht hoch oben an der Altbau-Zimmerdecke klebt.