Mittwoch, Februar 28, 2007

Hirn!

Die Technik hält mich zur Zeit auf Trab. Jeden Tag was Neues mit unserem frisch aus der Vollnarkose erwachten Rechner. Nun!

Meine eigene Vollnarkose letzte Woche hat mich schwer beeindruckt: dass OP-Lampen sooo schnell rotieren können! Ich erinnere mich, sehr unwillig auf die Weckversuche der Stationsschwester reagiert zu haben, so im Sinne von: "Noch fünf Minuten, Mama!". Ich muss wohl 'was ausnehmend Schönes geträumt haben. :)

Allerdings tut sich Ungeheuerliches in meinem von der Spirale befreiten Unterleib: Es fühlt sich ähnlich an wie nach den Geburten meiner Kinder - als ob alles sich neu ordnet, andere Plätze sucht. Ganz zu schweigen von meinem Uterus: Beim letzten Orgasmus gebärdete sich meine Gebärmutter noch viel wilder, als ich es je von ihr gewohnt war. Als sei dieses kleine, T-förmige Plastikstück ein Zügel gewesen. Erstaunlich.

Bin mal gespannt, was mir noch alles aufgeht in der nächsten, Gestagen-befreiten Zeit.

Oh ja, die Hormone. Klar kann frau prima mit ihnen leben. Vermutlich mit den eigenen, natürlichen, besser als mit künstlichen, eingenommenen oder eingepflanzten. Mit beiden habe ich inszwischen einige Erfahrung. Wobei die mit den eigenen nun einige Jahre zurückliegt und ich weiß nicht, ob die künstlichen schon rückstandsfrei aus mir raus sind?

Jedenfalls finde ich es schon erstaunlich, wie die Gehirnmasse reziprok zum Befüllungsstand der Milchseen in den Brüsten schrumpft. Ich schätze, die ersten achtzehn Monate nach jeder Geburt war mein IQ um mindestens die Hälfte kleiner als sonst. Bevor die 'rum waren, war ich schon wieder schwanger (nein, KEIN Unfall), und vielleicht hat das das ganze noch überproportional schlimmer gemacht.

Das kann nur verstehen, wer schon einmal versucht hat, mit einem friedlichen, aber gierigen Säugling an der Brust einen Behördenbrief zu verstehen. Oder einem Versicherungsfachmann am Telefon gewachsen zu sein, wenn in Hörweite das Baby zappelt. Ich fühlte mich akut verdummt.

Irgendwo habe ich gelesen, welche Hormone dafür verantwortlich sind und dass es Sinn macht, dass die Mütter von Säuglingen ein bisschen verdoofen. Es macht sie genügsamer. Sonst würden sie ja auch WAHNSINNIG bei der eigentlich anspruchslosen (und monotonen) Aufgabe, ein Neugeborenes zu versorgen. Da mag was dran sein.

Wie war das wohl, als die Menschen noch nicht wirklich effektiv verhüten konnten und die Normalfrau dauerschwanger war? Okay, die haben sich zusammengerissen und der Muttermythos ist ja eigentlich auch erst ca. 70 Jahre alt in unserer Kultur (hallo Adolf!). Aber waren die Frauen wirklich voll da?

Hm. Dann gab's da ja noch solche Frauen, die sich ihre Intelligenz bewahrten, indem sie sich nicht ihren Bauch befüllen ließen. Meine Güte, bin ich zynisch heute! Und da wollte ich auch eigentlich gar nicht hin.

Was ich meinte, ist, dass eben doch die Brut ein bisschen Schuld ist, wenn Frau den Kopf zumindest für einige Zeit einzieht. Und wie schwierig es ist, aus einem einmal eingefahrenen Verhaltensmuster wieder heraus zu kommen, erfahre ich gerade am eigenen Leib. Eigentlich immer wieder in meinem Leben. Ich werd' sie noch kriegen, die Kurve. :)

Nein, es lässt sich auch nicht alles mit Biologie entschuldigen. Das wär' zu einfach. Wenn frau sich die Musliminnen ansieht, die fleißig neue Patriarchen erziehen, denen sich ihre Töchter dann unterordnen werden, könnte sie ja mal ins Grübeln kommen.

Ich bin 8 Jahre älter als mein Bruder und habe daher sehr bewusst mitbekommen, wie meine Mutter ihn behandelt hat im Vergleich zu mir. Nein, ich will mich nicht beklagen, ich war nicht das Aschenputtel und er der Prinz. Nicht so ganz jedenfalls. :) Aber die Tendenz war durchaus da. Und ich habe oft gedacht: "Einen solchen Pascha werde ich nicht heranziehen!" (Sie schmiert ihm heute noch die Brote!) ;D

Von meinen Söhnen verlange ich, dass sie genauso bei den in der Familie anfallenden Arbeiten mittun wie ihre Schwester. Ich bemühe mich, für keines meiner Kinder Arbeiten zu machen, die es selbst erledigen kann. Und trotzdem. An der Oberfläche genüge ich mir. Aber im subtileren Raum darunter beschleicht mich oft das Gefühl, eben doch wieder die alten Rollenbilder weiterzugeben. Es ist nicht ganz greifbar, aber es ist da.

Wie tief das sitzt!

...denkt sich eine, die heute sehr kriegerisch fühlt!

Dienstag, Februar 20, 2007

"---- !"

"Im Hoffen und Harren erkennt man den Narren!"

Dienstag, Februar 13, 2007

Wut!!!

"Alte Xanthippe!", "Furie!", "Zicke!" - das hört frau sich landläufig an, wenn ihr der Kragen platzt. Ein wütender Mann dagegen scheint etwas zu sein, das - zwar oft augenzwinkernde - aber eben doch Ehr-Furcht auslöst. Mir fällt jedenfalls spontan kein männliches Äquivalent zu den weiblichen Titulierungen ein, dass ähnlich abfällig und ärgerlich klänge.

Der wütende Mann flößt Respekt ein, die erboste Frau ist hässlich.

Ich habe es mühsam gelernt, mir Luft zu machen und für mich oder meine Kinder einzutreten, wenn mir etwas stinkt. Ich denke, die Kinder gaben den Ausschlag, denn sonst hätte ich vielleicht nie meine Ängste überwunden. Mut und Wut klingen nicht nur ähnlich, sie haben auch viel miteinander zu tun.

Was mich zur Zeit fuchst, beschäftigt bedrängt, ist die Tatsache, dass es mir einfach noch nicht immer und überall gelingt, den Mund aufzumachen, zu protestieren und herumzubrüllen. Dass ich mich noch immer einschüchtern lasse. Oder sogar reflexartig von vornherein meine Meinung herunterschlucke.

Ich weiß, dass das ein Kindheitstrauma ist, ich weiß genau, woher das kommt, aber es klebt noch an mir und hindert mich oft genug daran, das brave Mädchen zum Teufel zu jagen.

Ich will das loswerden, mich nicht in Vergangenem wälzen. Und das geht nicht auf Knopfdruck und auch nicht meditativ. Schön wär's.

Konfrontation?

Freitag, Februar 09, 2007

Zum Kuckuck!

Als nach dreieinhalb Jahren Schwangerschaften und Stillzeiten meine Tochter als mein drittes Kind geboren war, hieß es: Familie vorerst komplett, verhüten - wie? Sterilisation kam damals weder für mich noch für meinen Mann in Frage, das war uns beiden damals noch zu endgültig.

Kondome kann ICH nicht leiden.

Pessar hatte ich unmittelbar nach den Geburten jeweils für ein paar Monate benutzt, war mir zu umständlich.

NFP war mir zu unsicher und ehrlich gesagt, hatte ich auch nicht das Hirn dafür in dieser Zeit.

Kupferspirale konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, korrodierendes Metall in mir, bloß nicht!

Pille wollte ich nicht!!! Nie wieder Hormone, dachte ich zunächst.

Tja, was blieb?

Hormonspirale. Hm. Niedrige Gestagendosierung, weil Wirkung direkt vor Ort. Keine Östrogene. Nun, ich habe mir keine Illusionen gemacht, es ist eine Dauermedikation, so oder so. Und ICH entschied, dass MIR die Unkompliziertheit wichtiger wäre. Klar hat das Nebenwirkungen, auch darüber machte ich mir nix vor. Aber ob nun zusätzliche oder körpereigene Hormone, frau ist ihnen immer ausgeliefert. Und so kam ich eigentlich beschwerdefrei durch die fünf Jahre. Hautunreinheiten, okay, die sind eindeutig darauf zurückzuführen. Und je größer in den letzten ca. 2 Jahren meine Ablehnung gegen das Ding wurde, desto supekter wurden mir manche körperliche Beschwerden...

Das Einlegen lassen war unangenehm und nun war ich doch wieder bei Hormonen gelandet. Aber ich sagte mir: "Schätzchen, du willst es bequem haben mit dem Sex also mußt du da jetzt durch!" Das mit dem Ausbleiben der Regel war mir zwar irgendwie nicht geheuer, aber erstmal auch bequem. Schließlich hatte ich drei Kleinkinder und genug anderes zu tun (und zu waschen!). In den dreieinhalb Jahren seit der ersten Schwangerschaft hatte ich meine Periode eh' nur drei-, viermal gehabt, sie war mir fremd.

Nun schauten da aber diese feinen Rückholdrähte aus meinem Muttermund heraus und mein armer Mann piekte sich mehrmals unangenehm beim Sex. Eigentlich mussten wir darüber lachen, aber eigentlich war es auch blöd. Also kürzte mein damaliger Gynäkologe diese Drähte. Zweimal ging ich deswegen hin, es war nun mal so. Den dummen Spruch bezüglich der anatomischen Ausstattung meines Liebsten hätte der Doc sich verkneifen können.

Als er dann genug gekürzt hatte, fragte ich ihn: "Kann man denn das Ding jetzt noch gescheit herausholen?" Und darauf sprach er: "Nun, dieses Problem haben wir dann in fünf Jahren!"

Zwischenzeitlich habe ich den Frauenarzt gewechselt und war nun Mittwoch dort, um dieses Teil endlich loszuwerden - ich hab's geahnt!

Jetzt brauch' ich eine Vollnarkose!

Natürlich war ich nicht begeistert, als mein Arzt mir eine Überweisung in die gynäkologische Tagesklinik in Krefeld ausstellte. Dazu meinte er dann: "Dafür hatten sie doch jetzt fünf Jahre Spass (er sagte "Spass" und nicht "Spaß"!) mit der Mirena!"

Das hätte er sich auch verkneifen können.

Welche Wahl hatten wir denn wirklich damals, nachdem ICH keine Gummis wollte und wir uns beide die Tür zu einem weiteren Kind noch nicht verschließen mochten ???(Was wir inzwischen getan haben, Sterilisation beim Mann ist ja sooo ein winziger Eingriff!)

Freiheit in den Entscheidungen?

Donnerstag, Februar 08, 2007

Wurzeln

Meine Oma väterlicherseits hieß Emma und wohnte, solange ich sie kannte, in einem winzigen Häuschen auf einem großen, uralten Gutshof.

Ursprünglich kam sie aus Pommern, wo sie auch geheiratet und ihr erstes Kind bekommen hat. An der Ostseeküste haben sie gelebt. Die kleine Familie kam aber schon vor dem Krieg ins Rheinland, an den Niederrhein (!), wegen der Arbeit. Als mein Opa dann eingezogen wurde, ging Emma schwanger und mit einem kleinen Kind an der Hand zurück an die Ostsee, zu ihrer Familie. Hätte ich wahrscheinlich auch getan.

So wurde mein Vater in Pommern geboren. Aber 1945, als er drei Jahre alt war, musste seine Mutter ihn und seine Schwester sozusagen unter den Arm klemmen und vor den Russen fliehen. Ins Ruhrgebiet. Sie hat manchmal erzählt, dass sie meinen Vater fast wärend der ganzen Flucht getragen hat.

Nach einigem Hin und Her und der Rückkehr meines Opas aus englischer Gefangenschaft landeten sie schließlich auf besagtem Gutshof, wo mein Opa dann als Melker arbeitete, später als Lagerverwalter einer bekannten Kaufhauskette in der Stadt. Noch ein Sohn wurde geboren, der Onkel, der die gleiche weiße Strähne in den Haaren hat wie meine Oma und ich.

Mein Vater jobbte viel an der Tankstelle, die in Sichtweite liegt und als er meine Mutter heiratete, dauerte es nicht lange, bis er den Laden übernahm. Er hat ihn bis heute.

Ich habe ziemlich viel Kindheit auf diesem Hof verbracht, der Sohn der Gutspächter war mein Kinderfreund, mein Spielkamerad, wir waren Abenteurer, es gab viel Brachland, einen Bach und manches Geheimnis...

Das Haus und der Garten - für mein Kinderherz eine ganze Welt. Nichts, was unter den Händen meiner Oma nicht wuchs und gedieh. Wenn ich sie mir heute in Erinnerung rufe, dann glaube ich, sie war eine wilde Frau. Und es ist eine Schande, dass ich sie aufgegeben habe. Aber ich wusste es nicht besser, war zusehr mit mir selbst beschäftigt, um das zu sehen. Na ja. Leben eben.

Mit dem Erwachsen-Werden und Familie-Gründen verschwand sie zunehmend aus meinem Blickfeld. Mein Opa starb 1996 und da versuchte ich ehrlich, mich um Emma zu kümmern. Aber es war schwierig. Sie tat mir leid, weil sie einsam und traurig war, aber oft machte sie mich wütend, weil sie sich nie über meinen Besuch freute, sondern erstmal schimpfen musste, ich hätte sie ja wohl völlig vergessen, bevor sie herzlich sein konnte. Ich war uneinsichtig, aber ich hadere nicht mehr mit mir.

Mir tun die Jahre leid, die ich versäumt habe. Ich hätte sie gern noch ein bisschen begleitet.

Vorgestern abend dann musste ich zu Hause raus, an die Luft, bin blindwütig aus dem Haus gerannt und habe mich in den schnuckeligen Leihwagen gesetzt, das Spaßmobil.

WOHIN?

Ich wusste es fast sofort. Ich war so lange nicht mehr da. Vorsichtig über die kleine, schmale Brücke, das Sportfahrwerk lässt mich jedes Steinchen spüren, nichts verändert, die Holperpiste an der Pferdeweide entlang wie eh' und jeh'.

Die Pappel am Hofeingang unverändert, ungerührt von Kyrill und imposant. Die größte Pappel, die ich kenne. Nichts, gar nichts, hat sich verändert. Sogar der alte Plastiksandkasten auf der kleinen Wiese neben dem Pferdestall ist noch da, von Brennesseln überwuchert. Auf seinem Rand saß ich vermutlich schon mit Windelhintern...

Das Häuschen meiner Oma. Die Rolläden sind heruntergelassen, es steht leer, seit Emma tot ist. Drei Jahre? Vier? Das Gartentor, das mein Opa selbst gezimmert hat. Der verbeulte Alu-Futternapf, der als Regenschutz-Mütze auf den rechten Torpfosten genagelt ist solange ich denken kann. Omas geliebter Flieder.

Es ist stockdunkel. Ich klettere über das Tor in den nächtlichen Garten, der keiner mehr ist. Fast sofort zieht mich die Erde an, als wolle sie mich in die Knie zwingen. Beinahe ein schwindeliges Gefühl, ein Ziehen in allen Gliedern. Die mit Kompost und systematischem, regelmäßigen Umgraben gepflegte, gehätschelte Erde, dieser Boden, der vor Fruchtbarkeit schmatzt.

Meine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit, es ist alles noch da. Die selbstgezimmerte Laube. Der Hühnerstall. Das kleine Gewächshaus ist inzwischen unter der riesigen Kiwi zusammengebrochen, die Ranken recken sich wie suchend in den Nachthimmel. Die sorgfältig verlegten Gehwegplatten sind nur versteckt unter dem Gras. Und unter der sichtbaren Oberfläche ist in Wahrheit alles noch da: das ordentlich aufgestapelte Brennholz, die Wäschespinne, die Mistgabel. Die Gerüche.

SAM schrieb mal ein paar unsortierte Gedanken zu alten Häusern und Gebäuden, sie kommen mir in den Sinn, als ich vom Garten die Rückseite des Häuschens betrachte. Die Antenne ist sogar noch da. Was muß dieses Gebäude noch ausstehen, bis es zur Ruhe kommen darf?

Es summt in meinem Kopf. Meine Oma sagt: "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen."

Besänftigt und mit der Gewissheit, diesen Ort immer in mir zu tragen, ihn nicht verloren zu haben, kehre ich dem Gutshof den Rücken.

Montag, Februar 05, 2007

Es hat keinen Zweck!

Das mit der Nuss-Nougat-Creme ist total sinnlos bei mir. Ich sollte sie einfach nicht mehr kaufen. Egal, ob ich ein großes Glas (wo ich gehörig mit dem Preis veräppelt werde!) oder ein kleines kaufe, wieviele Vorsätze ich auch immer fasse: ich kann nicht wiederstehen,

ICH GEHE IMMER UND IMMER WIEDER MIT DEM LÖFFEL HINEIN,

und zwar so lange und so oft, dass spätestens nach dem Wochende meine Kinder nix mehr haben, um wenigstens eins ihrer Schulbrote damit zu bestreichen. Mein Ältester tut es mir inzwischen gleich und ich fühl' mich noch schlechter dabei.

Ich kauf' das Zeug nicht mehr.

Punkt.

Sonntag, Februar 04, 2007

Oolé, Olé, Olé, Oléé...

Wir sind Handballweltmeister!!! Freudentanz!

Ich darf mich doch freuen, verdammt nochmal - kaum ist die Spielübertragung zu Ende, schiebt das Erste Programm auch gleich ein "Ja, aber...!" hinterher, schließlich ist da ja noch die Politik, die fein 'raus ist, weil das Volk jetzt sein Opium hat und das Genöle vorläufig einstellt wegen Gesundheitsreform, Steinmeier-Skandal und was-weiß-ich-noch!

Grrr! Ich freu' mich aber trotzdem jetzt!

Und in Köln werden die Taxifahrer und Taxifahrerinnen heut' nacht hoffentlich ordentlich verdienen, weil überall gefeiert wird! Ich wünsch' dem Zweigestirn richtig guten Umsatz!

Denn ich freu' mich einfach nur....