Donnerstag, Dezember 28, 2006

Stupps!

(...)

"Egal, zu wem du dich bekennst
oder wie du dich nennst
Ob du Moslem bist
oder Christ oder Buddhist
Von mir aus glaub' an Zarathustra
Hauptsache ist doch
es macht dich bewussta!"

(...)

aus dem Lied "Oh du fröhliche, o du selige" in der Version von Jan-Christof Scheibe feat. Gökhan Asil & B-Low von der CD "Fröhliche Weihnacht überall - in 18 Liedern um die Welt", h&h music... www.h-h-music.com

...undichhoffeichhabejetztkeinurheberrechtverletzt...

:-b

Dienstag, Dezember 26, 2006

Weihnachten

Frau Bärtschi rät mir heute mit ihrer Tageskarte: "Sei still!" und diesen Rat werde ich beherzigen, vor allem, wenn heute Nachmittag meine Eltern auf Weihnachstbesuch kommen.

Ich wünsche Euch allen eine schöne, stille Zeit!

Sonntag, Dezember 24, 2006

Fragezeichen

Habe gerade 134 - in Worten: einhundertvierunddreißig! - Müllabfuhrtermine für 5 verschiedene Müllsorten in meinen Kalender für 2007 eingetragen. Wobei ich brave Müllsortiererin das Altglas auch noch selbst wegbringe...

Fragt sich, was sich stärker auf die "Wir-haben-die-Umwelt-geschont"-Bilanz auswirkt: die geringere Vergrößerung des Abfallberges - wenn ich davon ausgehe, dass der Müll nicht doch am Ende in EINEN Ofen kommt (was ich definitiv einfach nicht weiß) - oder die vielen, vielen zusätzlichen LKW-Fahrten.

Samstag, Dezember 23, 2006

Deutlich?!

Als ich heute mit meinem Auto an einer großen Ampelkreuzung auf Grün wartete, hielt neben mir ein PKW aus Bad Segeberg. Zunächst mal nicht ungewöhnlich, schließlich ist Weihnachten, da fahren manche Leute halt' 500 km, um die liebe Familie zu besuchen. Was mich mit Bad Segeberg verbindet, sind die beiden spießigen Nachtkonsolen - ich steh' dazu! - die wir vor ungefähr elf Jahren dort gekauft haben. Hm. Und meine Eltern kaufen dort immer noch Möbel, aber das steht auf einem andern Blatt.

Was mich wie ein kleiner Schlag traf, war das Wort, das die Buchstaben auf dem Nummernschild ergaben: SERM. Mein Herkunftsdorf. Der Ort, wo meine Oma begraben liegt.

Kurz darauf suchte ich in der Haushaltswarenabteilung eines sehr großen Einkaufsmarktes nach Holzschabern für Raclettepfännchen. Im Haushaltsfundus, den ich mir mit meiner Schwägerin teile, gibt es drei Raclettegeräte. Theoretisch also was zwischen 18 und 24 Holzschabern. Schätze ich.

Na ja, irgendjemand frisst die Dinger. In diesem Jahr sind es dann mal nur sieben, die sich auftreiben lassen. Für elf Leute an Heiligabend eindeutig zu wenig.

Also suche ich zwischen Backformen, "Pfannenfreunden" (wer denkt sich eigentlich sowas aus?) und anderen KÜCHENARTIKELN und finde - batteriebetriebene Grablichter. Später dann auch die Spatel, okay, aber da stehe ich und gucke auf diese Grablichter. Und denke: "Na gut, das kriegt sie von mir, die Oma. Aber mehr nicht."

Zuhause taucht dann irgendwie so ein Tchibo-Blättchen zwischen meinen Einkäufen auf. Blättere es grob durch. Und auf jeder Seite steht hinter den Bestellnummern eine offenbar willkürliche Buchstabenkombination, die auf jeder Seite bei mindestens einem Artikel das Wort SERM ergibt. Manchmal dreimal.

Freitag, Dezember 22, 2006

Was ich will...

...ist:

1. Dass Frauen aufhören, Sätze anzufangen mit: "Ich bin ja nur..." oder "...schon so lange 'raus aus diesem Beruf..."
2. Dass Berufstätige nicht auf Hausfrauen herabsehen oder umgekehrt, warum auch immer sich wer für was entschieden hat.
3. Dass Berufstätigkeit so eingeteilt werden kann, dass daneben noch Leben & Familie Raum hat.
4. Dass vernünftige Streitgespräche nicht auf dem Hühnerhof landen.
5. Dass keiner sich rechtfertigen muss, der die Wahl getroffen hat zwischen Kindern und Karriere.
6. Dass keiner von Brunnen spricht, aus denen er nicht getrunken hat.
7. Dass Frauen aufhören zu jammern.
8. Dass weniger prestigeträchtige Arbeiten auch von Männern freiwillig gemacht werden.
9. Dass Frauen sich endlich nicht mehr automatisch für letztere Tätigkeiten zuständig fühlen.
10. Dass ich es selber auch schaffe, zumindest einen Teil dieser Forderungen zu erfüllen.

´N Abend allerseits!

Ohne weitere Worte...

mutter mein
die du bist hier!
deine kraft sei allgegenwärtig!
mein reich sei da!
und schütze mich!
immer und überall
heiterkeit und gelassenheit
gib mir täglich
und lass mich mir immer
alles verzeihen
und durch genaues
hinschauen
wirklich wahrnehmen
erlöse mich
von ängsten
und zwängen
und führe mich
zu ekstase und liebe
denn meine eigenmacht
ist bedingungslos
und unendlich
so sei es

(Bei Luisa schamlos geklaut!)

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Respekt!

Neulich im Kindergarten aufgeschnappt: "...dass die das nicht schafft, wo die doch den ganzen Tag zu Hause hockt!" lästerten zwei berufstätige Mütter auf der Treppe über eine andere, die "NUR Hausfrau und Mutter" ist.

Verachtung aller Orten für die, die zu Hause verblöden. Und die, die das nicht tun, sind womöglich Rabenmütter. Eine Zwickmühle? Als Frau noch keine Wahl hatte, hatte sie dies Dilemma nicht. War sie da in ihrer Rolle als Nesthüterin besser angesehen?

Wirklich, toll, wenn eine das geregelt kriegt, Kinder, Haushalt und Beruf. Doch! Das ist eine Leistung!

Aber wieso eigentlich?

Ich meine, in meiner Lebenswelt sieht es meistens so aus, dass, wenn beide Elternteile arbeiten gehen, die Frau diejenige ist, die trotzdem noch zu 100% den Haushalt schmeißt, weil ER "das nicht geregelt kriegt, das nicht sieht..." im Grunde doch wohl manchmal auch, weil sie nicht zufrieden damit ist, wie er's macht und es sich dann eben lieber selbst aufhalst, oder?

Bäh, diese alte Leier von der Rollenverteilung, ich kann's nicht mehr hören.

Haben wir Frauen in der Realität unsere Männer zu unfähigen Embryonen gemacht, weil sie es uns eh' nicht recht machen?

Wenn ich mich mal für einige Tage aus dem Staub mache - was ich nur tue, wenn mein Holder Urlaub hat - führt er den Haushalt ganz prima. Anders, als ich das täte, aber das habe ich inzwischen gelernt, zuzulassen. Die Kinder kriegen jedenfalls was sie brauchen.

Ich hab' das mal ein paar Monate gemacht, Berufstätigkeit und Haushalt und Kinder. Und seltsamerweise wurde da stillschweigend damit gerechnet, dass sich an der Arbeitsteilung innerhalb der Familie nix ändert.

Obwohl ich faktisch meinem Haushalt jede Woche 15 Arbeitstunden entzogen und diese außer Haus verbracht habe.

Das hat mich schon geärgert. Aber nachher hat sich das dann von selbst erledigt, ich habe mich gerade bei Ingrid unter ihrem Post Global lang und breit dazu ausgelassen.

Das piekt noch immer, dass dieser Mann, der mir mal klargemacht hat, dass sein Einkommen genausogut meines ist, hier im Grunde lebt wie ein Junggeselle bei Mama, egal, wieviel ich grad' am Hals hab'.

Aber wenn ich als Frau schon selbst keinen Respekt vor meiner Tätigkeit habe und mich als NUR-Hausfrau tituliere, wie soll dann irgend jemand sonst Achtung haben vor diesem Beruf?

Das hat mir vor Jahren mal meine Therapeutin klargemacht, und genauso ist das: müsste mein Mann jemanden einstellen, der all' das macht, was ich leiste, das könnte er gar nicht bezahlen!

He, ich bin unbezahlbar! :0)

Der Stumpfsinn, der mich damals in diese Firma getrieben hat, in die Berufstätigkeit, der ist weg. Ich habe meine Fühler ausgestreckt, mir Horizonte geöffnet, neue Menschen in mein Leben gelassen. Ich bin irgendwie zufriedener.

Aber die Diskussion über die Arbeitsteilung, die ist noch nicht beendet innerhalb meiner Ehe.

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Unsortiertes

Heute früh zeigte das Thermometer erstmalig eine Temperatur unter Null an. Undurchdringlicher Nebel und die Spinnweben sehen aus wie dicke weiße Bindfäden.

Spinnweben. Ich gönne mir den Luxus eines Fensterputzers, der alle sechs bis acht Wochen günstig meine 16 Fenster säubert. Ich schätze seinen Tarif und dass er nicht nur die Scheiben, sondern auch die Rahmen und Profile gründlich säubert. Sorgfältig Rücksicht nimmt er dabei auf sämtliche Krabbeltiere. Besonders "meine" Spinnen.

Darüber bin ich wirklich froh. Ich hätte ein Problem mit ihm, würde er sie ertränken oder sonstwie töten. So bekommt er zur Belohnung einen Kaffee und ist trotzdem in anderthalb Stunden fertig!

Selber würde ich das niieee in dieser Zeit schaffen!!! Ich sehe das als Investition in mein Wohlbefinden, ich hab' gern saubere Fenster.

Na ja. Spinnen. Die Prinzessin muss nur an Spinnen denken, da kann man an ihr beobachten, wie sich die Nackenhaare aufstellen. Ich teile diese Phobie nicht.

Diese Tiere behandele ich mit Respekt. Es gibt ein Verstehen zwischen ihnen und mir. Ich finde sie faszinierend und entschuldige mich ausdrücklich bei ihnen, wenn ich versehentlich oder aus zwingenden Gründen ein intaktes Netz beschädige oder zerstöre.

Ich mach' das dann immer mit einem Fliegenopfer wieder gut. Ich glaube, sie akzeptieren das, denn sie sind in und um das Haus sehr zahlreich.

Genau wie Gehäuseschnecken. Nacktschnecken empfinde ich ebenso als Geschmeiß wie Fliegen, ich gestehe es. Ich bewundere die Buddhisten für ihren Respekt vor JEDER Kreatur.

Aber die Schnecken mit Häuschen faszinieren mich. Im Küchengarten habe ich eine zahlreiche Population der gefleckten Weinbergschnecke, die sich zu meiner außerordentlichen Freude in dieser Saison zahlreich vermehrt hat, entdeckt.

Eine Art, die eigentlich nur südlicher vorkommt, nun aber auch in unseren Breiten Fuß fasst. Wohl, weil's immer wärmer wird. Und der niederrheinische Winter immer weniger hart.

Wärmer. Globale Erwärmung. Auch so'n Thema. Ich empfinde es ja als Hybris von uns Menschen, uns dafür verantwortlich zu fühlen. Quark! (Trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass wir uns in unserer Welt aufführen sollten wie die Axt im Walde!!!)

Klimawandel gibt es seit Millionen von Jahren. Konstante Wetterbeobachtung auf wissenschaftlicher Basis existiert noch keine 150 Jahre. Also wie aussagekräftig ist die?

Dass im Winter Schnee und Kälte zu regieren haben, ist doch auch eine menschliche Wahnvorstellung. Wie verlässlich sind unsere Kindheitserinnerungen an Spiele im Schnee? Interessiert sich das Klima für unsere selbstgestrickten Kalender??

Leider kann ich's nicht nachweisen, aber mein seelenruhiger, über siebzigjähriger Nachbar hat mir mal von einer alten Schrift erzählt, die von Erdbeeren im Dezember berichtet im 13. Jahrhundert in unseren Breiten.

Übrigens ist kalendarisch der Herbst ja erst am 21. Dezember zu Ende.

Ich lasse mir keine Angst machen. Ängstliche Menschen sind leichter zu regieren. Nochmal danke an Labbatú und den Raben.

Genau wie unverheiratete katholische Priester; nicht durch Familie im weltlichen verankert, lassen sie sich leichter beherrschen. Und siehe, auch das Zölibat ist nur Mittel zum Zweck, eine Machtfrage.

Erzwungene sexuelle Enthaltsamkeit radiert den Sex eben nicht aus der Gedankenwelt, sondern verstärkt ihn, bis alle Gedanken vom Sex besessen sind. Was im Extremfall zu Wahnvorstellungen und Besessenheit führen kann (Völlig zu schweigen von unehelichen Kindern, inzestuösen oder anderen Vergewaltigungen, vertuschten Verhältnissen...). Was wiederum entweder die Exorzisten auf den Plan ruft oder den Papst zwecks Heiligsprechung.
Lustiges Völkchen, die Katholiken.

Äh, ja, ich bin noch immer nicht mit dem Deschner fertig....

Meine persönliche Religionsgeschichte - auweh, dafür braucht's dieser Tage einen neuen Post. Aber ich glaube, jetzt habe ich mein Gedankenkraut wieder ein bisschen geordnet und bin frei dafür... ;D

Donnerstag, Dezember 14, 2006

Begraben

Vorgestern war ich an der Tankstelle. Bei meinen Eltern und meinem Bruder. Eine Anfahrt von ca. 17 km, über die Autobahn.

Auf dem Weg dorthin habe ich gedacht:"Nein, ich werde mich nicht aufregen. Ich werde mich verhalten wie ein Seegrashalm in der Strömung: Keinen Widerstand bieten, fließen lassen und achtgeben, wie sich das anfühlt! Und ich werde sie alle sein-lassen, so, wie sie sind."

Dorthin zu kommen, ist immer eine Berührung mit der Vergangenheit. Aufgewachsen bin ich im Ort in der Nähe, meine Eltern sind dann erst in das zur Tankstelle gehörende Haus gezogen, als ich schon verheiratet war. Und auch die Tankstelle selbst wurde abgerissen und total neu aufgebaut.

Deshalb fühlt sich wohl alles so abgemildert an: die äußeren Merkmale sind alle verschwunden, da sind nur noch die Menschen.

Was soll ich sagen? Mein Bruder machte die Winterreifen an meinen Bus, mein Vater fuhr den Wagen durch die Waschanlage und tankte ihn voll. Ohne dass ich darum gebeten hatte und trotzdem ohne Vorwürfe. "Danke, Papa!" und alles war sauber zwischen uns. Beobachtete die Spielchen zwischen meinen Eltern und hielt meinen Mund.

Verabschiedete mich herzlich und ohne Groll.

Von der Tankstelle aus kann man den Gutshof sehen, auf dem mein Vater aufgewachsen ist. Meine Oma und mein Opa lebten dort bis zu ihrem Tod.

Manchmal fahre ich dort hin und lasse meine Kindheit auf mich einstürmen. Dort hatte ich Wildnis und Heimeligkeit beieinander. Der Kohlenofen im Wohnzimmer. Meine Oma, die Fliegen mit der Hand aus der Luft fing. Der Geschmack roher Erbsen, vom Strauch geklaut. Kirschen. Wie die Anger gerochen hat. Heute steht das kleine Häuschen leer und der Garten, Lebensinhalt meiner Oma, verwildert.

Ganz seltsam anders die Begegnung mit meinem Herkunftsdorf, durch das ich auch manchmal gondele, wenn ich von der Tankstelle aus wieder nach Hause fahre.

Diesmal habe ich angehalten. Am Friedhof. Dort liegen die Eltern meiner Mutter begraben. Normalerweise gehe ich nur zu Beerdigungen auf den Friedhof.

Auf diesem hier war ich lange, lange nicht.

Ein Schmetterling schaukelte an mir vorbei nachdem ich die Pforte passiert hatte. Ein Admiral. Meine Tante, die sich umgebracht hat, ist im Winter begraben worden. Auch damals ist mir unwahrscheinlicherweise ein Schmetterling begegnet. Ein Tagpfauenauge.

Mir geht gerade auf, dass das ja eigentlich ein militärischer Dienstgrad ist, Admiral. Die Mutter meiner Mutter, die sich von mir nicht "Oma" nennen ließ, wurde gehässig als "Generalin" bezeichnet. "Admiral" und "Kadett" hießen damals die Autos in der Werkstatt von "Opa Boss". Der Vater meiner Mutter. Aber da war ich noch sehr klein.

Der Friedhof ist nicht so groß. Ich fand "meine" Toten alle recht schnell. Ein Freund, der sich mit neunzehn Jahren totgefahren hat. Ein Nachbar. Na ja, die Vergangenheit eben. Damals war das Dorf noch ein Dorf im Wortsinn.

Doch der erste Weg führte mich zu meiner Oma. "Mutter Elli", so wurde sie von uns genannt. Von allen. Auch von ihren Enkeln.

Gepflegtes Grab. Sehr sauber. Ich hockte mich auf eine Steinplatte mitten auf das Grab und hatte die ganze Zeit das Gefühl, die dunkle Erde wallt hoch und umfängt mich gleich. Als wollte meine Oma mir dringend was sagen.

Aber ich hielt mich im "Hier" und "Jetzt" fest, nahm das leere Schneckenhaus mit, das dort lag (die sammle ich) und ging. Ich habe ihr etwas verweigert und weiß nicht, ob das mein Recht war. Es fühlt sich komisch an.

Letzte Nacht habe ich dann ein Kraut geträumt, ich schüttel' noch immer den Kopf. Ich krieg' nicht auseinander, was da gelaufen ist.

Gegenwart und Vergangenheit haben sich miteinander vermischt, alles war ganz anders und doch genauso.

Wie gesagt, ein krautiger Traum.

Weil sowas von sowas kommt?

Freitag, Dezember 08, 2006

Kann nicht mal eben einer die Welt anhalten??!

Damit ich noch 'ne Überschrift setzen kann...die hab' ich da unten vergessen... ;)
Ich glaube, dieser ganze Vorweihnachtsstress hat gar nicht nur mit Kommerz zu tun. Einerseits möchte ich gern, dass was los ist, andererseits scheint das aber auch der Grund für den Druck zu sein, unter dem ich stehe. Weil einfach der Alltag nicht mehr rund läuft.

Denn ein Termin jagt den nächsten. Im November habe ich wegen der Geburtstage meiner beiden Jungs 4 Feiern ausgericht, d.h., sie mir ausgedacht, dafür eingekauft bzw. organisiert, und sie bis ins letzte vorbereitet.

Laternen in Schule und Kindergarten wurden gebastelt, zwei Martinszüge besucht. Meinen Bruder habe ich an seinem Geburtstag nicht mal telefonisch erreicht. An meines Schwagers Geburtstag kurze Verschnaufpause.

Für die Füllung von 96 Adventkalenderbeutelchen sowie für den Nikolaus eingekauft und geplant. Plätzchenbacken in der Schule fand auch für mich in zwei Klassen statt. Dazwischen der Geburtstag der Prinzessin, dessen Feier wir mit Möbeln unterstützten. Für den Geburtstag meines Schwiegervaters habe ich fast nur gedankliche Energie aufwenden müssen.

Am Wochenende werden wir mit 5 Kindern und 4 Erwachsenen Plätzchen backen bei uns. Was sicher ein Heidenspaß wird, aber auch Arbeit - klar, alle helfen mit! Weihnachtsmärkte und andere vorweihnachtliche Sonderveranstaltungen locken auch noch.

Die Aufführungen in Kindergarten und Schule finden in der kommenden Woche statt. Die Weihnachtsfeier vom Sportverein war grad'. Zwischen Weihnachten und Silvester liegen 5 Geburtstage im engsten Familien- und Freundeskreis. Adventlesen im Gemeindezentrum für die Kinder mit Kaffee, Punsch und Gebäck (ca. 100 Leute jedesmal), Kerzenlicht und Gitarre. Schön, aber auch Arbeit.

Dazwischen der ganz normale Wahnsinn von Mamas Taxi: 3 Kinder, fünf Freizettermine wochentags. Heim- und Auswärtsspiele am Wochenende. Dazwischen Hausaufgaben und...!!! Elternsprechtage nicht zu vergessen.

Ich hab' bestimmt noch was vergessen, was sich in diese letzten 2 Monate des Jahres quetscht. Aber darum geht's auch gar nicht. Schön, das mal alles so aufgelistet zu haben, gibt mir das Gefühl, Dampf abzulassen. Eigentlich mag ich mich ja auch gar nicht beschweren.

So viele Dinge, von denen die einzelnen für sich genommen meist schön und erlebenswert sind. Aber so geballt fühl' ich mich manchmal ganz schön gejagt. Irgendwie muss ich mich anders mit der Dunkelheit arrangieren, die kommt so früh und gibt mir immer das Gefühl, zuwenig Zeit zu haben.

Ich versuche, bewusst gegenzusteuern. Nehme mir mal einen Vormittag frei von meinen Pflichten und gehe mit der Prinzessin frühstücken. Leg' mich einfach platt und hör' Entspannungsmusik mit Räucherstäbchenduft. Pflege meinen Körper, wo's geht - denn der sagt: "Halt! Stopp!". Erst diese elend lange Erkältung im Oktober/November ("Nase voll?"), dann nahtlos im Anschluss die Magengeschichte ("Zum Kotzen?")und als kleine, kurze, effektive Krönung 3 Tage jämmerliche Rückenschmerzen ("Zuviel aufgebürdet?"). In die Sauna möcht' ich auch mal wieder...

Die Geselligkeit läd mir ja auch die Batterien auf. Intensive, interessante Gespräche finden statt. Erhöhte gegenseitige Aufmerksamkeit. Aber mir zerreisst's den Alltag völlig. Liegengebliebenes stürmt in den Atempausen doppelt und dreifach auf mich ein. Und ständig aufpassen, das nichts vergessen wird, keine Termine vertauscht werden. Mich manchmal zweiteilen.

Der Job "Mutter" hat das gleiche Anforderungsprofil wie eine Position im mittleren bis gehobenen Management. Das musste ich jetzt einfach mal 'rauslassen. Uff. Gesund bin ich ja jetzt auch wieder. Darum: "Genug gesudert!", sagte Artemis (http://wolken-los.blogspot.com/) in ihrem Blog mal treffend und so ist's hier jetzt auch.

Leider kann ich nicht so elegant verlinken wie sam (http://samstage.blogspot.com/).....

Donnerstag, Dezember 07, 2006

Religion 1

Ich habe den Broder gelesen und sacken lassen.

Einige Stellen im Buch habe ich mir dick unterstrichen, weil ich beim Lesen dachte: "Ja, genau, das ist es!"

Trotzdem habe ich ambivalente Gefühle gegenüber den Aussagen dieses Buches. Weil mir die Belege fehlen für manche Behauptungen. Papier ist schließlich geduldig.

Ich denke, unsere Unsicherheit und mangelnde Konsequenz im Umgang mit Moslems rührt auch daher, dass wir nicht mehr so fest verhaftet in unserer christlichen Religion sind, wie viele "Menschen mit Migrationshintergrund" im Islam.

Das macht uns unsicher, dass jemand seinen Glauben so konsequent lebt. Das heißt aber nicht, dass dieser Jemand sich nicht anpassen muss. Christen in muslimisch geprägten Ländern tun das schließlich auch.

Und dann ist da noch das schlechte Gewissen. Da stimme ich dem Autor weitgehend zu. Ich glaube, dass es in meiner Generation vielen so geht wie mir: als ich Kind war, war der Nachwuchs der "türkischen Gastarbeiter" tabu. "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!", war das Motto. In meinem katholischen (<-ich betone das immer wieder gern!) Heimatdorf waren sie die Außenseiter.

Dass sie da lieber freiwillig eine Parallelgesellschaft errichteten, könnte ein naheliegender Gedanke sein. Also haben wir sie dazu getrieben?

Pustekuchen! Das erklärt zwar unser schlechtes Gewissen "Wir wollen doch nicht weiter so gemein zu ihnen sein!", rechtfertigt aber noch längst nicht, dass wir uns von ihnen alles gefallen lassen.

Die Italiener im Dorf hatten es auch schwer - und die wahren katholisch! Sind die aggressiv geworden? Nö. Und die Ägypter waren voll integriert. Ob die Christen waren, weiß ich gar nicht...

Montag, Dezember 04, 2006

Besitz

Als ich ungefähr 13 war, hat mein Opa mütterlicherseits mir an meine grade so ein kleines bisschen sprießenden Brüste gefasst und auch zwischen die Beine. Das sollte unser Geheimnis sein, "das braucht keiner zu wissen!". Zwei Wochen habe ich mich damit gequält, bis ich es meiner Mutter erzählt habe.

Was ich erntete, waren Vorwürfe von allen Seiten und das schwarze Gefühl, am daraus sich verschärfenden Familienstreit - mein Vater und die Schwester meiner Mutter haben sich nie gut verstanden und danach überhaupt nie mehr miteinander geredet - schuld zu sein.

Was meine Mutter mir vorwarf, war, dass ich ihr das nicht viel früher anvertraut hatte, "stell' dir mal vor, was noch alles hätte passieren können!" Niemand hat mich damals nach meinen Gefühlen gefragt. Niemand hat mich mal in den Arm genommen oder sonstwie getröstet.

Heute habe ich für mich damit abgeschlossen, ich kann wirklich sagen, dass ich keinen schlimmeren Schaden davongetragen habe als die bittere Empfindung, dass damals alle Erwachsenen nur an ihre eigenen Gefühle gedacht haben.

Mein Vater, der bis heute nicht in der Lage ist, Dinge, die ihm nahegehen angemessen zu behandeln und zu äußern, hat mir gegenüber damals nur immer wieder sehr plastisch beschrieben, was er mit dem Opa am liebsten machen würde. Seine persönliche Wut sollte mir illustrieren, wie sehr ER leidet unter dem, was mir widerfahren ist - um damit von hinten durch die Brust ins Auge seine Liebe zu seiner Tochter zu verdeutlichen.

Daran muss ich in letzter Zeit sehr oft denken, wenn über Stefanie oder Natascha berichtet wird. Vor allem in Stefanies Fall tut sich der Vater sehr hervor. Tritt als Nebenkläger auf. Von der Mutter keine Spur in dem Rummel. Woher kommt nur dieses eklige Gefühl bei mir, dass es um männliche Besitzansprüche geht?